Duftöl berechnen: Holzdocht & Kokoswachs-Mischungen

· von Arjun Menon · 5 Min. Lesezeit

Duftöl berechnen: Holzdocht & Kokoswachs-Mischungen

Kerzen gießen mit Kokoswachs und einem Holzdocht: Das klingt erstmal nach einem netten Wochenend-Hobby. Wer schon mal eine Charge ruiniert hat, weiß aber, wie tückisch die Sache werden kann. Eine der größten Hürden dabei ist die präzise Berechnung des Duftstoffanteils, in der Fachsprache “Fragrance Load” genannt. Zu wenig Duftöl, und die Kerze duftet im Raum kaum spürbar vor sich hin. Zu viel, und das Wachs gibt irgendwann auf: Es bindet das Öl nicht mehr, es bilden sich hässliche Pfützen (Fachleute sprechen von “Sweating”), die Verbrennung wird unsauber, und der Holzdocht stottert oder erlischt schlicht zu früh. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie der Duftstoffanteil für eine Kokoswachs-Mischung exakt berechnet wird, damit am Ende tatsächlich das rauskommt, was man sich vorgestellt hat.

Was ist der Duftstoffanteil (Fragrance Load)?

Der Duftstoffanteil beschreibt, wie viel Prozent der fertigen Kerzenmasse aus Duftöl oder ätherischen Ölen besteht. Kokoswachs-Mischungen, oft geblendet mit Soja, Raps oder etwas Bienenwachs, haben hier einen echten Vorteil gegenüber klassischem Paraffin oder reinem Sojawachs: Sie speichern Düfte außergewöhnlich gut. Sowohl im kalten Zustand (Cold Throw, also der Geruch der ungezündeten Kerze im Regal) als auch beim Abbrennen (Hot Throw) geben sie ihr Aroma kräftig frei. Trotzdem gibt es Grenzen. Das Wachsnetzwerk kann nur eine bestimmte Menge Öl sicher einschließen, physikalisch wie chemisch, und wer diese Grenze überschreitet, zahlt am Ende drauf.

Besonderheiten von Kokoswachs und Holzdochten

Kokoswachs ist von Natur aus weich, schmilzt fix und brennt bemerkenswert sauber. Meistens wird es mit anderen Wachsen gemischt, damit Struktur und Schmelzpunkt stabil bleiben. Kombiniert man es mit einem Holzdocht (Wooden Wick), kommt noch eine zusätzliche Fehlerquelle ins Spiel:

Warum Sie in Gramm statt in Millilitern messen müssen

Ein Klassiker unter den Anfängerfehlern: Duftöl wird in Millilitern abgemessen, während das Wachs auf der Waage liegt. Das Problem dabei ist die Dichte. Ein Milliliter Patschuliöl, schwer und ölig, wiegt deutlich mehr als ein Milliliter eines leichten Zitrusöls. Die Konsequenz: Messen Sie Wachs und Duftöl grundsätzlich in Gramm, mit einer feinen digitalen Küchenwaage. Nur so bleibt der Fragrance Load von Charge zu Charge wirklich konstant, egal welches Duftöl gerade verwendet wird.

So berechnen Sie den Duftstoffanteil richtig

Der zweite typische Stolperstein ist die Prozentrechnung selbst. Nehmen wir 100 g Wachs und geben 10 g Duftöl dazu, landen wir bei 110 g Gesamtgewicht. Der Duftstoffanteil liegt dann nicht bei 10 %, sondern bei 9,09 % (10 g geteilt durch 110 g). Klingt nach Erbsenzählerei, macht über mehrere Kerzen hinweg aber einen spürbaren Unterschied. Richtig gerechnet wird das Duftöl immer als Prozentsatz des gesamten Kerzengewichts, also Wachs plus Öl zusammen.

Die Grundformel

Wer eine Kerze mit einem bestimmten Füllgewicht (Wachs + Öl) herstellen will, nutzt folgende Formel:

  1. Benötigtes Wachsgewicht berechnen: Gesamtgewicht der Füllung / (1 + Duftstoffanteil als Dezimalzahl) = Wachsgewicht

  2. Benötigtes Duftölgewicht berechnen: Gesamtgewicht der Füllung - Wachsgewicht = Duftölgewicht

Ein praktisches Rechenbeispiel

Nehmen wir an, Ihr Kerzenglas fasst insgesamt 200 g Wachs-Öl-Gemisch. (Kleiner Tipp für neue Gläser: Füllen Sie das Glas mit Wasser, wiegen Sie es in Gramm und multiplizieren Sie den Wert mit 0,85. Wachs ist leichter als Wasser, und so erhalten Sie einen soliden Richtwert für die Füllmenge.) Sie entscheiden sich für einen Duftstoffanteil von 8 % (als Dezimalzahl: 0,08), ein Wert, der sich bei Kokoswachs-Mischungen immer wieder als guter Startpunkt bewährt hat.

  1. Wachsgewicht berechnen: 200 g / 1,08 = 185,18 g (aufgerundet auf 185 g)

  2. Duftölgewicht berechnen: 200 g - 185 g = 15 g

Für diese Kerze brauchen Sie also exakt 185 Gramm Kokoswachs-Mischung und 15 Gramm Duftöl. Kein Schätzen, kein “passt schon”.

Der optimale Anteil für Kokoswachs und Holzdochte

Hersteller von Kokoswachsen werben teilweise damit, dass ihre Mischungen bis zu 12 % Duftöl vertragen. In der Praxis, vor allem mit Holzdochten, würde ich hier deutlich vorsichtiger sein.

Das perfekte Zusammenspiel: Holzdocht-Größe und Duftöl

Je höher der Duftstoffanteil, desto schwerer die Flüssigkeit, die der Docht nach oben transportieren muss. Erhöhen Sie den Anteil von 7 % auf 10 %, brauchen Sie sehr wahrscheinlich auch einen dickeren oder breiteren Holzdocht, damit die Flamme ausreichend hoch bleibt. Deshalb: Jede Änderung an der Duftölmenge verdient einen eigenen Burn-Test (Abbrandtest), auch wenn das lästig erscheint. Lieber einmal mehr testen als eine ganze Serie verschenken.

Weitere häufige Fehler bei der Herstellung vermeiden

Fazit

Die korrekte Berechnung des Duftstoffanteils ist das Fundament jeder hochwertigen, sicher brennenden, handgegossenen Kerze. Gerade die Kombination aus cremigem Kokoswachs und dem knisternden Holzdocht verzeiht keine groben Rechenfehler. Wiegen Sie Wachs und Öl immer präzise in Gramm, nutzen Sie die richtige Formel, und tasten Sie sich bei Kokoswachs-Mischungen an einen Duftanteil von rund 8 % heran. Wer sauber arbeitet und genug testet, bekommt nicht nur einen intensiven, lang anhaltenden Duft im Raum, sondern auch das beruhigende, völlig problemlose Knistern eines Holzdochts, vom ersten bis zum letzten Anzünden.

#Kerzenherstellung#Duftkerzen#Wachsmischung